Nutzpflanzen in historischen Gärten


Die Garten-Erdbeere

(Fragaria x ananassa Duchesne ex Rozier)

Von der Erdbeere, die zur Familie der Rosengewächse gehört, kommen 12 verschiedene Wildarten auf der nördlichen Halbkugel und eine Art in Südamerika vor.

In unseren Breiten gehören die Wald-Erdbeeren zu den ersten reifen Früchten, die man nach den langen Wintermonaten ernten kann. Auch wenn es ihr Name suggeriert, die Erdbeere ist gar keine echte Beere, wie die Johannisbeere oder die Stachelbeere, sondern eine „Sammelnussfrucht“. Denn das, was bei der Erdbeere als Frucht gilt, sind lediglich die kleinen gelbbraunen Nüsschen die man relativ gleichmäßig auf der Oberfläche verteilt findet. Die wohlschmeckende, meist rote, manchmal aber auch weiße oder mitunter grünliche Frucht ist botanisch betrachtet eine fleischige Blütenachse.

Bis in das 18. Jahrhundert hinein spielen in Europa die Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) und die Moschus oder Zimt-Erdbeere (Fragaria moschata) in den Gärten eine große Rolle. Nicht immer ist für uns heute klar zu erkennen, um welche Art es sich bei den im 16. und 17. Jahrhundert in den Gartenbüchern erwähnten Erdbeeren handelt.

Schon Caspar BAUHIN (1560-1624) verweist zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seinem Kräuterbuch auf die große Variationsbreite der kultivierten Arten: „Die Frucht variiert in Größe und Farbe; einige rot, einige in der Mitte zwischen weiß und rot, einige buntfarben; es gibt welche mit Früchten von doppelter Größe als gewöhnlich, mit grünlichen, gelben, blassen und hellen gemischt, endlich auch fast weiße“.

Ludwig XIV. von Frankreich schätzte auch die Erdbeere in besonderem Maße. Seine Hofgärtner versuchten deshalb die Frucht das ganze Jahr über an die königliche Tafel zu liefern. Um dies zu bewerkstelligen, bedienten sie sich der Treiberei, das heißt sie pflanzten die Erdbeeren im Herbst bzw. Winter in frostgeschützte Mistbeete und brachten sie durch die Wärme des sich darin zersetzenden Mists dazu, auch im Winter auszutreiben, zu blühen und zu fruchten. La Quintinie, der Direktor der königlichen Hofküchengärten in Versailles, gilt deshalb als der Erfinder der Erdbeertreiberei. Er versorgte den französischen Hof schon im ausgehenden 17. Jahrhundert im Winter mit frischen Erdbeeren. Im übrigen Europa eiferte man diesem Vorbild erst nach 1750 in größerem Stile nach.

Die Urform unserer heutigen Garten-Erdbeere (Fragaria x ananassa) entstand in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts. Zwar gelangten schon im 17. Jahrhundert die nordamerikanische Erdbeere (F. virginiana) und die Chile-Erdbeere (F. chiloensis) nach Europa, doch scheinen sie sich erst viel später, wohl um das Jahr 1755, hier erstmals gekreuzt zu haben. Als Ergebnis dieser Kreuzung entstand die Garten- bzw. Ananas-Erdbeere. Sie besaß die positiven Eigenschaften beider Arten; die Großfruchtigkeit der südamerikanischen Art und das gute Aroma, die Vitalität und die Produktivität der nordamerikanischen Erdbeere. Frühe Belege für die Existenz der neuen Garten-Erdbeere sind aus Bern (1762), Aachen (1764) und England (1765) bekannt. Doch die Früchte wurden zunächst nicht richtig rot. Die eigentliche Erdbeerzucht zur Verbesserung der Fruchtgröße der Farbe sowie des Geschmacks beginnt dann um 1820 vor allem in England und in Amerika.

Jost Albert


Rezept: "Erdbeercreme" (nach Henriette Davidis, 1877)

Zutaten:
1 kg reife Garten-Erdbeeren
230-300 g Zucker
6 Eiweiß
1 Glas Rotwein
1 El. Stärke (Kartoffelmehl)
Minzblätter

Zubereitung:
Die Erdbeeren waschen und Pürieren. Wein mit Zucker aufkochen, das Erdbeerpüree zufügen und unter rühren zum Kochen bringen. 1 El Stärke mit etwas Wasser anrühren und kurz mit aufkochen lassen. Den Topf vom Feuer nehmen und die sechs sehr steif geschlagenen Eiweiß unterziehen. Kühl stellen und zum Servieren mit frischen Erdbeeren und Minzeblättern verzieren


Sämtliche Informationen und das Rezept sind folgender Publikation entnommen:
HEILMEYER, Marina [Hrsg.] (2008): „Erdbeeren für Prinzessinnen“ aus der Reihe: Potsdamer pomologische Schriften. Potsdam.

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