Nutzpflanzen in historischen Gärten


Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes L.)
auch Rüben-Kohl/Rübkohl, Oberkohlrabi, Oberrübe, und Stängelrübe

Der Name Kohlrabi geht auf die lateinischen Wörter „caulis“ (Kohl) und „rapa“ (Rübe) zurück. Als Kohlrabi - auch Unterkohlrabi bzw. Erdkohlrabi - werden in einigen Gegenden Steckrüben (Brassica napus subsp. rapifera) bezeichnet, um diese soll es im Folgenden aber nicht gehen.

Ältere Beschreibungen, unterscheiden noch runde und lange Varietäten:
„Der Rüben=Kohl: […] Aus dessen Wurtzel alsobald der Haupt=Stengel herfürkommt, welcher neben derselbigen unterhalb den Blättern dicker wird, und endlich in der Größe einer mittelmäßigen, runden oder langen Rübe herfür dringet, daher man ihn den runden und langen Rüben=Kohl nennet." [1]

Heute werden von den Saatgutfirmen in der Regel plattrunde Kohlrabi angeboten. Die Sorten unterscheiden sich nach Farbe der Schale, der bevorzugten Anbauzeit, dem Blattreichtum und nach erreichbarem Gewicht. Neben zunehmend angebotenem Hybrid-Saatgut sind auch noch alte Sorten im Handel, die zum Teil über 100 Jahre alt sind, wie beispielsweise die Sorte „Delikateß blauer“ (im Handel seit 1900). In Tschechien haben sich noch ursprünglichere, längliche Kohlrabi-Sorten erhalten (z.B. „Böhmischer Strunk-Kohlrabi“), die der Abbildung in Zuingeri stark ähneln.

Wie alle Kohlarten gedeiht Kohlrabi am besten in tiefgründigen Böden mit guter Nährstoffversorgung „er […] liebet ein fettes, wohlgetüngtes Erdreich“. [1] Für die Qualität der Knollen ist eine vor allem gleichmäßige Wasserversorgung während der Wachstumsphase von entscheidender Bedeutung.

Zum Aussaattermin liefert Krünitz folgende Angaben: „Der Same kann eben sowohl früh in ein Mistbeet, als auch langsam in das Land, oder in den Garten gesäet werden. Die Aussaat geschieht gemeiniglich im März oder April.“ [2]

Heute kann Kohlrabi bei entsprechender Sortenauswahl bis in den August hinein ausgesät werden und stellt wegen seiner schnellen Entwicklung bis zur Erntereife eine wichtige Vor- und Nachkultur im Gemüseanbau dar.

Beim Kohlrabi wird hauptsächlich die sogenannte Sprossknolle für den Verzehr genutzt. Weniger bekannt ist, dass auch das Blattwerk in der Küche verwendet werden kann und sogar vitaminreicher als die Knolle ist.

Kohlrabi eignet sich als Rohkost, es gibt aber auch viele Rezepte, in denen er gekocht, gebraten oder gebacken wird.

Kurt Grübl



Verwendete Literatur:

[1] Theodor Zwinger, Friedrich Zwinger: Theodori Zuingeri […] Theatrum botanicum, Das ist: Vollkommenes Kräuter=Buch, Worinnen Allerhand Erdgewächse, Bäume, Stauden und Kräuter, welche in allen vier Theilen der Welt, sonderlich aber in Europa, hervorkommen, neben ihren sonderbaren Eigenschaften, Tugenden, und vortrefflichen Wirkungen, auch vielen herrlichen Artzneymitteln und derer Gebrauche, wider allerley Krankheiten an Menschen und Vieh, [...], Basel 1744.

[2] D. Johann Georg Krünitz: "Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, in alphabetischer Ordnung", 1773 bis 1758. Verwendet wurde die "Oeconomische Encyclopädie online" der Universität Trier/Universitätsbibliothek: kruenitz1.uni-trier.de

Sonstige verwendete Literatur:

Bundessortenamt (Hrsg.): Beschreibende Sortenliste: Wurzel-gemüse, Zwiebelgemüse, Kohlgemüse, Frankfurt a.M. 1990.

Ernst Benary: Album Benary, Tab. XVIII, Erfurt 1877.

Andrea Heistinger/Arche Noah/Pro Spezie Rara (Hrsg.): Handbuch Samengärtnerei, 2. Aufl. Innsbruck 2004.

KÖRBER-GROHNE, Udelgard: Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute, Stuttgart 1995.



Abbildungen:

1) Theodor Zwinger, Friedrich Zwinger: Theodori Zuingeri […], Basel 1744, S. 519.
2 u. 3) Ernst Benary: Album Benary, Tab. XVIII "Glaskohlrabi. 1/2 natürliche Grösse.", Erfurt 1877.
4 bis 8) Kurt Grübl



Rezept:

„Gefüllte Kohlrabi.

Man nimmt sehr gute, gleich große Kohlrabi, schält sie und bohrt am Stiele ein Loch ein, welches man so weit vergrößert, daß die Kohlrabi nicht springt. In dieselbe ausgehölte Kohlrabi gib folgende Füllung: Nimm zu 6 – 8 Kohlrabi ½ Pfund feingewiegtes Schweinefleisch, (es kann auch halb Kalb=, halb Schweinefleisch sein), würze es mit gestoßenem Pfeffer und Salz, etwas feingeschnittene Zwiebel und gib zwei gequirlte Eier und etwas Semmelkrume hinzu; wiege die aus den Kohlrabi genommenen Stückchen fein und rühre sie dazu, fülle mit diesem Teige die Kohlrabi und setze sie behutsam neben einander in den Schmortopf, worin vorher starke Rindfleischbrühe und Butter kochend gemacht ist. In dieser Brühe laß die Kohlrabi weich werden und gib kurz vor dem Anrichten etwas Semmelkrume dazu oder rühre sie mit einigen Eigelb ab. Reibe etwas Muskatnuß darüber.

Zu diesen gefüllten Kohlrabi ißt man geräucherte Gänsebrust, abgekochten Schinken u.s.w.“

(Aus: Marie Susanne Kübler: Das Hauswesen nach seinem ganzen Umfange dargestellt in Briefen an eine Freundin. Nebst einem Anhang über deutsche Literatur und Lektüre für Frauen und Jungfrauen von Th. Geser. Stuttgart, 1862, S. 96 f.)

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