Nutzpflanzen in historischen Gärten


Die Brombeere

(Rubus sectio Rubus)

Das Wort Brombeere hat sich aus dem althochdeutschen Wort brāmberi‚ Dorngebüschbeere oder Beere des Dornstrauchs, entwickelt.

Herkunft: Heilpflanze in der Antike. Ursprünglich stammt die Brombeere aus den Wäldern Eurasiens und Nordamerikas. In der griechischen Antike schätzten die Menschen sie als Heilpflanze. Heute ist die Brombeere weltweit in den gemäßigten Zonen verbreitet.

Die Brombeeren sind eine Sektion aus der umfangreichen und weltweit verbreiteten Pflanzengattung Rubus innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).Es gibt rankende, aber auch aufrecht wachsende Arten. Wilde Brombeeren weisen eine starke Bestachelung auf und bilden mit ihren bis zu 3 Meter langen Trieben kaum durchdringbare Hecken. Sie umfassen mehrere tausend Arten, allein in Europa wurden mehr als 2.000 Arten beschrieben, weswegen ich hier auch gar keine Arten nenne.

Die früheste Abbildung, die ich gefunden habe, stammt aus Julianas Buch (500-600 n. Chr.), die in Anna Pavords Buch zur Kulturgeschichte der Botanik (a.a.O. S. 105- 116) abgebildet ist. Um 512 n. Chr. überreichten Bürger von Honoratae (Stadtteil von Konstantinopel) als Dank eine umfangreiche Sammlung von Pflanzenabbildungen an ihre Schutzherrin Juliana Anicia (siehe dazu ). Sie war eine tiefreligiöse Prinzessin, die um 512 n. Chr. den Bürgern Konstantinopels eine christliche Kirche schenkte, die der Jungfrau Maria geweiht war. Das Buch enthält 383 Pflanzendarstellungen, die aus dem Dioskurides übernommen wurden, und ist mit 491 Seiten Pergament nicht nur das erste erhaltene, sondern auch das prachtvollste Pflanzenbuch.

Auch in dem Neuen Kräuterbuch von Leonhart Fuchs (1501-1566), der ein deutscher Mediziner und Botanikprofessor in Tübingen war, wird die Brombeere abgebildet. Sein botanisches Autorenkürzel lautet "L. Fuchs". Charles Plumier benannte ihm zu Ehren die Gattung Fuchsia der Pflanzenfamilie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Carl von Linné übernahm später diesen Namen. Zusammen mit Otto Brunfels (1488-1534) und Hieronymus Bock (1498-1554) zählt er zu den "Vätern der Botanik".

Morphologie
Brombeer-Arten sind winterkahle oder wintergrüne (und dann im Frühjahr Laub abwerfende) Sträucher oder genau genommen etwas verholzende, ausdauernde krautige Pflanzen mit zweijährigen Zweigen: Die überwinternden Zweige bringen aus ihren Knospen ausschließlich Blütenstände hervor und sterben dann nach dem Fruchten ab. Brombeeren sind häufig Kletterpflanzen (Spreizklimmer) und werden zwischen 0,5 und 3 Meter hoch; die Sprossachsen sind je nach Art oder Sorte mehr oder weniger stachelig und verholzen mit der Zeit. Die dünnen und derben Stacheln dienen als Kletterhilfe und wohl auch als Fraßschutz. Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Die bei Reife meist blauschwarzen Früchte sind botanisch gesehen keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte, die sich aus den einzelnen Fruchtblättern bilden: Jede ihrer kleinen Einzelbeeren ist im Aufbau einer Steinfrucht gleich (wie eine Kirsche) und hat wie diese eine dünne Außenhaut. Tatsächlich beißt man beim Kauen der Früchte auf kleine Steine, in denen auch der Samen der Brombeere zu finden ist. Die Fruchtreife reicht von August bis September, bisweilen auch bis Oktober. Nach der Fruchtreife sterben die Triebe ab, daher sollte man sie nach der Ernte gleich abschneiden.

Ökologie
Die große Formenfülle der Brombeeren beruht auf ihren besonderen Fortpflanzungsverhältnissen. Bei gelegentlichen Kreuzungen können stabile Hybride entstehen, die Samen ohne Befruchtung ausbilden (Apomixis). Bei dieser Art der Fortpflanzung werden die Merkmale der Hybridpflanzen identisch weitergegeben (Klone). Die vorweiblichen Blüten sind duftlos. Blütenökologisch handelt es sich um "Nektar führende Scheibenblumen", die ein großes Angebot an Pollen hervorbringen. Blütenbesucher sind (auch kurzrüsselige) Bienen, die neben einer Fremdbestäubung auch eine Selbstbestäubung ermöglichen.
Bei den in Deutschland vorkommenden Brombeerarten handelt es sich bis auf zwei Arten um stabile Klone, die vor langer Zeit entstanden sind. Die Steinfrüchte schmecken durch Traubenzucker und Fruchtsäuren säuerlich. Sie unterliegt der Verdauungsverbreitung, besonders durch Vögel und auch durch Schnecken. Die blauschwarze Farbe der Außenhaut der Früchte und die rote Farbe des Beerensaftes wird durch Anthocyane verursacht. Die Brombeer-Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel von Europa, Nordafrika, Vorderasien und Nordamerika weit verbreitet. Sie bevorzugen sonnige bis halbschattige Lagen, beispielsweise lichte Wälder oder deren Ränder, mit kalk- und stickstoffreichen Böden.

Anbau
Im Anbau werden bei Brombeer-Arten und -Sorten meist stachellose Zuchtformen bevorzugt. Sie benötigen ein Spalier, um sie in ihrem kräftigen Wuchs überschaubar zu halten. Als Pflanzabstand sind mindestens 2 bis 3 Meter wichtig. Ferner ist regelmäßiges Auslichten und Entfernen von Geiztrieben notwendig, um Gestrüppbildung zu verhindern. Nach der Ernte werden die abgetragenen Ruten am Boden abgeschnitten und neue Triebe auf etwa drei bis fünf Zweige je Pflanzenexemplar reduziert.

Pharmakologie
Getrocknete Blätter der Echten Brombeere als Arzneimittel (Rubi fruticosi folium). Nach Plinius sind Früchte und Blüten harntreibend, ein Aufguss in Wein hilft gegen Gallensteine. John Gerard empfahl in seinem Herbal einen Absud aus Brombeerblättern mit Alaun, Honig und ein wenig Weißwein als Spülung für wunde Stellen im Mund und an den Geschlechtsteilen von Mann und Frau. Außerdem helfe dies gegen Zahnausfall. Aufgrund des Gerbstoffgehaltes eignen sich die Brombeerblätter auch bei Durchfallerkrankungen. Diese Wirkung erkannte schon der griechische Arzt Pedanios Dioscurides, der in seinem Werk materia medica diese Anwendung beschrieb. Als Arzneimittel dienen heute die getrockneten Blätter schwach behaarter Arten. Sie enthalten Gerbstoffe (Gallotanine und dimere Ellagitannine), Flavonoide und Fruchtsäuren wie Zitronensäure und Isozitronensäure und etwas Vitamin C. Aufgrund des Gerbstoffgehalts wird die Arznei als Adstringens und Mittel gegen Durchfall, zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, aber äußerlich auch zu Waschungen bei chronischen Hauterkrankungen verwendet.

Margita M. Meyer


Verwendete Literatur:

Ašič, Simon (2004): Pater Simons Hausapotheke. Heilpflanzen und Rezepte aus Natur und Klostergarten. Kosmos, Stuttgart, 2004, S. 36 (aus dem Slowenischen übersetzt von Anton Kovačič).

Berndt, Willi: Der Obsthof, 3. neu bearbeitet Auflage, Hiltrup bei Münster 1959, S. 99.

Fuchs, Leonhart (1543): The New Herbal of 1543. Complete Coloured Edition. New Kreüterbuch. Taschen Verlag: Köln 2001. (Exemplar der Städtischen Bücherei in Ulm).

Hiller, Karl; Matthias F. Melzig (2010): Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010.

Pavord, Anna (2005): Wie die Pflanzen zu ihren Namen kamen. Eine Kulturgeschichte der Botanik. Aus dem Englischen von Hainer Kober. Original: The Naming of Names. The Search for Order in the World of Platns, London 2005. Berlin 2010.

Pedersen, Anfred; Weber, Heinrich E., Martensen, Hans Oluf und Walsemann, Eckehardt (1993): Atlas der Brombeeren von Niedersachsen und Bremen (Gattung Rubus L. subgenus Rubus). In: Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Band 28, Niedersächsisches Landesamt für Ökologie, Naturschutz, Hannover 1993.

Weber, Heinrich E. (2005): Brombeeren. In: Ökoporträt. Band 39, Nr. 3, 2005, S. 1–4.

Weblinks: Commons: Rubus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien; Wiktionary: Brombeere – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen.



Rezept für die Brombeer-Tarte (ohne Gewähr) nach dem berühmten Ölgemälde von Heda Willem Claesz 1631.

150g Weizen, 50g Reismehl, 100g kalte Margarine, 1 Prise Salz , 3 EL Zucker und 2 TL Apfelessig alles schnell und kalt verarbeiten und eine Tarteforme damit auslegen und für den Deckel ein Drittel des Teiges aufbewahren. Für die Füllung 4 Tassen Brombeere, 1 Tasse Zucker,. Etwas Salz und Zitrone sowie 2 EL Stärke, 2 EL Margarine etwas Muskat und 3 El blanchierte Mandel. Die Füllung rein, Deckel drauf und dann in den Ofen.

Bildergalerie
Zum Öffnen bitte auf ein Bild klicken