Nutzpflanzen in historischen Gärten


Löwenzahn

(Taraxacum officinale; Fam. Asteraceae)

Du armer, gichtisch- kranker Mann […] Und ich — ich soll dir nun ein Heilungsmittel sagen! Du willst mich beym Apoll verklagen, Wenn ich gefühllos blieb. Wohlan! Zerstreuen will ich dich, so viel ich kann, Und mein Gedicht mag dieses Stücklein wagen. Vielleicht kuriert dich armen Mann, Mein Recipe, mein beßter Löwenzahn, Viel sichrer, als ein ganzer Wagen, Voll Taffia und Enzian […] [1] Diese Verse aus Wielands Neuen Teutschen Merkur von 1798 zeigen, dass schon lange auf die heilsame Wirkung des Löwenzahns als Arzneipflanze vertraut wurde und er daher eine wichtige Rolle im Alltag gespielt hat.

Kettenblume, Ringelblume, Kuhblume, Hundeblume, Milchstöckl, Kuckucksblom, Lichtblom, Bimbaum, Bumbansbüsch oder Butterblume… Dies sei nur eine kleine Auswahl an Namen, den der Löwenzahn durch den Volksmund im Verlauf der Zeit erhalten hat. Geschichtliche Erwähnungen finden sich als erstes bei den arabischen Ärzten, die das Wissen um die Heilkräfte dieser Pflanze vermutlich von den Griechen übernahmen. Daher leitet sich der Name Taraxacum aus dem Arabischen ab, der Artname officinale deutet auf die Verwendung als Heilpflanze hin. [2]

Der Löwenzahn ist in ganz Europa beheimatet und wächst bevorzugt auf nicht sehr feuchten Wiesen sowie Gärten, wo er ab April anfängt zu blühen. Die Blätter des Löwenzahns, die aus der Wurzel kommen, sind 10 bis 20 cm lang, glatt, niederliegend und sind an beiden Seiten vielfach zahnförmig eingeschnitten. Dazwischen sprießen glatte, runde und hohle Stängel hervor. Auf dem gewölbten Fruchtboden wachsen wie bei allen Asteraceaen viele kleine Einzelblüten, die zusammen die gelbe Blüte bilden. [3] 1553 beschrieb Hieronymus Bock den "Pfaffenrörlin", wie er auch genannt wurde, wie folgt: "Seine zerkerffte zeen vergleichen sich den grossen segen zeenen […] mit hole / lange / glatte rörlin / als strohälmer on knöpff / […] werden zu schöne geelen dotter farben gefülten blumen / als gemalte schöne Sonnen." Weiter schreibt er: "Als bald aber diese blumen zeittigen / werden harichte / runde zu wollichte köpff daraus / die fliegen seer bald (wann sie vom lufft bewegt werden) davon / das ist der samen". [4] Leonhart Fuchs vergleicht den Löwenzahn auch mit "nacketen Münchßkopff", nachdem die "rhörlin mit weissen beschornen runden blatten" dastehen. Daher auch der Name Pfaffenblatten oder Münchßblatten. [5]

Damals als wirksames Pflanzenextrakt hoch geschätzt, wird der Löwenzahn heute eher als lästiges Unkraut betrachtet. Dabei sind alle Pflanzenteile, insbesondere die Wurzel, nutzbar. Deren milchartiger, bitterer Saft zählt zu den "wirksamsten, eröffnenden, auflösenden und reinigenden Mitteln". Früher wurde der Löwenzahn überwiegend zur Verbesserung der "zur Stockung geneigneten Säfte" verwendet, beispielsweise zur Blutreinigung, Fieber, Verstopfung der Eingeweide, Drüsenverstopfungen oder Gelbsucht. Aber auch äußerlich angewendet soll der Löwenzahn nützlich zur Stärkung der Augen und bei der Reinigung von Wunden gewesen sein. Zudem wurde der frische Saft wirkungsvoller eingeschätzt als die Wirkung im getrockneten Zustand. [3] Bis heute wird er aufgrund seiner entwässernden Eigenschaft durch den Bitterstoff Taraxacin bei Leber- und Gallenleiden, bei Magenbeschwerden sowie bei Frühjahrskuren empfohlen. [6]

Das Sammeln der Blätter erfolgte bevorzugt im Frühjahr und diente vordergründig für der Salatzubereitung. Anschließend bleichte man diese drei Wochen unter Erdanhäufungen, um einen milden Geschmack zu erlangen. Zudem wurde auch gern Branntwein aus der Pflanze produziert. [3] Aus Berichten des 18. und 19. Jahrhunderts wird ersichtlich, dass der "Dandelion-Kaffee" (frz. dent de lion = Zahn des Löwen) ein Kaffee-Surrogat aus den Wurzeln des Löwenzahns bestand und mancherorts dem reinen Mocca-Kaffee weit vorgezogen wurde. [7]

Bernadette Brandl


Verwendete Quellen:
[1] Auszug aus: Christoph Martin Wieland: Der Neue Teutsche Merkur vom Jahre 1798. 2. Band, Weimar, 1798, S. 24-25.
[2] Dörfler, Roselt: Unsere Heilpflanzen. Stuttgart, 1965, S. 416-418.
[3] Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie. Berlin, 1773/1858. HYPERLINK: kruenitz1.uni-trier.de http://www.kruenitz1.uni-trier.de/
[4] Bock, Hieronymus: Kreuterbuch. Straßburg, 1553.
[5] Fuchs, Leonhart: Das Kräuterbuch von 1543. Köln, 2001.
[6] Dr. Neuthaler, Heinrich: Das Kräuterbuch. Salzburg, 1959, S. 276.
[7] Dr. Johann Gottfried Dingler: Polytechnisches Journal. Band 37, Stuttgart, 1830, S. 405.


Rezept:
Löwenzahn – Kaffee
Schneiden Sie dazu die Wurzeln in kleine Stückchen und legen sie zum Trocknen aus. Diese können Sie dann in einer Pfanne oder auf dem Backblech rösten, bis sie gut duften und gleichmäßig dunkel geworden sind. Mahlen Sie sie in einer alten Kaffeemühle und brühen daraus einen Kaffee, der der Verdauung förderlich ist und das Herz stärkt. Kochen Sie einen Teelöffel Pulver mit einer Tasse Wasser auf und sieben sofort ab. Wenn Sie zu lange ziehen lassen, wird er zu bitter! Ideal für diejenigen, die koffeinfreien Kaffee bevorzugen!
HYPERLINK: kraeuterweisheiten.de http://www.kraeuterweisheiten.de/loewenzahn.html

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