Nutzpflanzen in historischen Gärten

Der Küchengarten der Eutiner Residenz


Vom 28. April bis 03. Oktober 2016 fand die Landes-gartenschau in Eutin statt. Der Küchengarten war zentraler Bestandteil des Ausstellungsgeländes.
http://www.eutin-2016.de

Zur Geschichte des Eutiner Schlossgartens
Die ältesten Überlieferungen für eine Gartenanlage auf dem heutigen Areal des Eutiner Schlossparks datieren aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, nachdem Eutin ständiger Wohnsitz der Bischöfe von Lübeck geworden war. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts existierten verschiedene Lust- und Nutzgärten, die ab 1716 zu einem von der französischen Gartenkunst geprägten Barockgarten zusammengeführt wurden. Im Jahr 1785 trat Fürstbischof Peter Friedrich Ludwig von Schleswig-Holstein-Gottorf (1755-1829), der spätere Großherzog von Oldenburg, die Regentschaft in Eutin an. Der auf der Grundstruktur des ehemaligen Barockgartens Ende des 18. Jahrhunderts angelegte Landschaftsgarten stellt heute eines der bedeutendsten Gartenkunstwerke des Bundeslandes Schleswig-Holstein dar und gilt als ein herausragendes Gartendenkmal der Aufklärungszeit in Deutschland. Eine Reihe bedeutender Gartenkünstler, u. a. Daniel Rastedt (1761-1836), der in Eutin geborene und zuvor in Muskau tätige Jacob Heinrich Rehder (1790-1852) und Hermann Carl Bernhard Roese (1830-1900) ebenfalls ein ehemaliger Muskauer Gärtner, wirkten an der Gestaltung des Landschaftsgartens mit.

Die Entwicklung des Küchengartens vom 18. bis ins
20. Jahrhundert
Im Zentrum des Schlossgartens liegt der ab 1790 nach englischen Vorbildern gestaltete, etwa 1,8 ha große Küchengarten. Geprägt wird der ummauerte Nutzgarten maßgeblich durch das im Nordwesten befindliche Orangeriegebäude, dessen Ursprung noch aus der Barockzeit datiert. Über Jahrhunderte diente der Küchengarten der Produktion von gärtnerischen Erzeugnissen und der Belieferung der Eutiner Hofküche. Die Industrialisierung im 20. Jahrhundert und die damit verbundenen wachsenden anthropogenen Einflüsse verursachten in der Folgezeit gravierende Schäden im Küchengarten, welche die Substanz, die Wirkung und die Funktion des Kulturdenkmals maßgeblich beeinträchtigten. Letztendlich führten diese Probleme zu einer vollständigen Aufgabe der gärtnerischen Nutzung - seit den 1990er Jahren liegt das Gelände weitgehend brach.

Erste Schritte zur Revitalisierung des Küchengartens
Auf Initiative der Stiftung Schloss Eutin und dem Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein konnten in den letzten Jahren bereits wichtige Grundlagen zur ökologischen Verbesserung des historischen Wassersystems geschaffen sowie durch die Auslobung eines Wettbewerb Lösungsansätze zur Wiederherstellung des Küchengartens gefunden werden.
Erste Instandsetzungsarbeiten erfolgten mit der denkmalgerechten Sanierung der Küchengartenmauer. Ab Herbst 2008 fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten am historischen Orangeriegebäude statt, das im Frühjahr 2011 feierlich eingeweiht wurde. In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein erfolgten mehrere gartenarchäologische Untersuchungen im Küchengarten, die u. a. über das historische Wegesystem und einen ehemaligen Entwässerungsgraben Aufklärung verschafften. Dieser historische Graben sowie Wege- und Vegetationsflächen im Umfeld des Orangeriegebäudes und am Holzhaus sind bereits wiederhergestellt. Der erste Schritt, die ehemals so artenreiche Bepflanzung des Küchengartens in Zukunft wieder präsentieren zu können, ist mit der Anpflanzung eines Obsthains in einer historischen Quincunx-Formation und eines „Lebenden Gartenzauns“ aus verschiedenen heimischen Gehölzarten gelungen. Eine Besonderheit ist die Anzucht von niedrigstämmigen Formobstgehölzen, so genanntes Zwergobst oder Franzobst. Bisher sind 35 historische Apfel- und Birnensorten veredelt und auf eine Fläche im Gartenbauzentrum Ellerhoop verpflanzt worden. Die spezielle Anzucht der Baumkrone wird mindestens vier Jahre in Anspruch nehmen, bevor die Zwergobstgehölze in den Küchengarten Eutin verpflanzt werden können.

Die Wiedererrichtung der Quermauer, die Sanierung des Neuholländerhauses und die Wiederbepflanzung des Küchengartens mit Obstgehölzen konnten anlässlich der Landesgartenschau Eutin 2016 realisiert werden.

Schritt für Schritt soll so in modellhafter Weise der Eutiner Küchengarten wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. Langfristiges Ziel ist hierbei, den Garten nach ökologischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften und vergessene traditionelle gärtnerische Techniken einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Arbeiten werden durch regelmäßig stattfindende Parkpflegeseminare mit der Eutiner Bevölkerung und eingeladenen Fachleuten unterstützt. Bereits zum zweiten Mal fand im Jahr 2010 ein Internationales Küchengartenkolloquium in Eutin statt. Die Tagung soll die nationale und internationale Vernetzung führender Spezialisten im Bereich historischer Gärten und Küchengärten sowie Anbau und Kultivierung historischer Obst- und Gemüsesorten weiter vertiefen und ausweiten.

Das Projekt wurde gefördert von der Europäischen Union (EFRE), dem Bund (BKM-Mittel), dem Land Schleswig-Holstein (Landesamt für Denkmalpflege, Investitionsprogramm Kulturelles Erbe des Kulturministeriums), der Stadt Eutin, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, privaten Sponsoren sowie durch umfangreiches bürgerschaftliches Engagement.

Anja Ickrath



Weiterführende Publikationen:

MEYER, DR.-ING. MARGITA M.: Orangerie- und Gewächshauskultur in Eutin – Neues zur Baugeschichte. In: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. Jahrgang 14/2007, S. 122.

MEYER, DR.-ING. MARGITA M.: Wallend Kitchen Gardens in Europe – Erstes Internationales Eutiner Küchengartenkolloquium. In: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. Jahrgang 15/2008, S. 103.

THIETJE, GISELA: Der Eutiner Schlossgarten – Gestalt, Geschichte und Bedeutung im Wandel der Jahrhunderte. Neumünster 1994, 2., verb. u. erw. Aufl. 2003.

THIETJE, GISELA: 300 Jahre Orangerie- und Gewächshauskultur in der Eutiner Residenz. Schriftenreihe des Arbeitskreises Orangerien in Deutschland e.V. Band 5. Potsdam 2006.

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